Einfach umsetzbare und effektive Kreativ-Workshops

5. April 2017 at 12:13

Einfach umsetzbare und effektive Kreativ-Workshops

Viele kennen das: Im Daily Business ist selten Platz für Kreativitätstechniken und Brainstorming. Aber es liegt an uns, sich die Zeit zu nehmen und/oder einzufordern. Daher beleuchte ich in diesem Beitrag eine Vorgehensweise für kreative Workshops und stelle 3 schnelle Methoden vor, die zur Lösung von Denkblockaden dienen können und eine wunderbar frische Dynamik ins Projekt bringen. Dazu muss man natürlich wohlbekannte und alte Wege verlassen und sich auf etwas Neues einlassen.

Auch in der Kollaboration mit Kunden hat es sich bewährt, diese an kreativen Prozessen teilhaben zu lassen. Man begegnet sich viel eher auf Augenhöhe und hat so die Möglichkeit die Ansprechpartner leichter von Layouts und Konzeptvorschlägen zu überzeugen.

Natürlich existieren sehr viele gute Techniken, daher ist die Herausforderung, die richtige für das Projekt auszuwählen. Im ersten gilt es sich darüber bewusst zu werden, welches Ziel der Workshop hat. Nur so kann die passende Methode gewählt werden.

Die Ziel-Frage kann lauten: Was soll nach diesem Workshop anders sein? Welches Problem gilt es zu lösen?

Ist die Zieldefinition klar, geht es um die Vorbereitung des Workshops. Dieser untertelit sich in 3 wesentliche STEPS: Eine Umgebung schaffen, um effizient arbeiten zu können (ZIEL), die Erwartungshaltung definieren (ERGEBNIS) und den Workshop sorgfältig vorbereiten (QUALITÄT). Diese Komponenten bilden den Rahmen für den Erfolg des Workshops. Wobei diese 3 Komponenten auch voneinander beeinflusst werden.

 

Klar definierte Rahmenbedingungen führen reibungslos zum Ziel

1) Rahmenbedingungen festlegen:

z.b. Wahl des Ortes des Workshops, Wer soll teilnehmen? Wieviele Teilnehmer machen Sinn? Machen 2er oder 3er Gruppen Sinn?

Tipp: 3er-Gruppen sinnvoller
3er-Gruppen sind am effizientesten, da die Verantwortungsdiffusion gering gehalten wird. Sprich: die Verantwortung wird nicht abgegeben, wie in großen Gruppen. Jeder ist zum Ziel notwendig und muss sich einbringen + es wird immer eine Entscheidung bei Abstimmungsprozessen geben.

 

2) Die passende Methode wählen

z.b. KEBA oder doch Brainwriting? Die geeignete Methode entscheidet über gute Ergebnisse.

 

Formulierung verbindlicher Regeln

3) Material organiseren/Regeln festlegen

Welches Material wird dazu benötigt? Was sind mögliche Anti-Frust-Regeln? Formulierung verbindlicher to-Dos & No-Gos notwendig

 

4) Zeitrahmen festlegen:

Wie lange muss der Workshop/das Meeting gehen? Ist die Zeit ausreichend, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen?

 

5) Agenda festlegen

Welche Punkte müssen bestehen und abgehandelt werden, um das Ziel zu erreichen?

 

6) Teilnehmer einladen/Termin einstellen

Wie könnte ein aussagekräftiger Titel für den Workshop/das Meeting lauten? Kann man die Bedeutsamkeit mit Bild und kurzem Erklär-Text verstärken? Eine gute Einladung motiviert die Teilnehmer!

 

Der Moderator sorgt für einen strukturierten Ablauf

7) Moderator

Der Einberufer und Vorbereiter des Workshops ist auch der Moderator. Er leitet den Workshop

 

8) Rollen vergeben

Der Moderator übernimmt die Rollenverteilung. Welche Rollen sind zu vergeben? z.B. Jemand, der auf die Einhaltung der Regeln achtet? Protokollant?

 

9) Agenda sichtbar

Der Moderator stellt die Agenda vor und gewährleistet, dass diese den ganzen Workshop/Termin über sichtbar bleibt.

 

Hier nochmal die Checkliste, ob alles gut vorbereitet ist:

  • Ist die Zieldefinition klar?
  • Stimmen die Rahmenbedingungen?
  • Anschauungsmaterial, Karteikarten, Stifte etc. sind organisiert?
  • Der Zeitrahmen ist sinnvoll festgelegt?
  • Eine übersichtliche Agenda ist vorhanden?
  • Die Teilnehmer haben eine aussagekräftige Einladung erhalten?

 

Im Folgenden findet ihr 3 Methoden, die schnell und effektiv helfen, Denkblockaden zu lösen und neue Ansätze zu finden.

 


1) METHODE: „Anti-Problem“

Ziel: Lösung eines komplexen Problems/einer komplexen Fragestellung und Erste-Hilfe bei Frustration
Teilnehmerzahl: 5–10 Personen
Dauer: 30–45 Minuten
Anleitung:

  1. Stellt das Problem auf den Kopf.
  2. Fragt euch was passieren muss, damit der Service/das Produkt/die Anwendung scheitert. Wie darf der Checkout nicht sein?
  3. Sammelt viele verschiedene Ideen.
  4. Am Ende werden die Ideen in Anti-Anforderungen umgeschrieben.
  5. Sind genug Anti-Anforderungen festgelegt worden, werden sich daraus die richtigen Anforderungen ableiten.

 


2) METHODE „Pain-Gain-Map“

Ziel: Zielgruppen-Analyse vertiefen
Teilnehmerzahl: 3–10 Personen
Dauer: 10–15 Minuten

Quelle: http://gamestorming.com/games-for-design/pain-gain-map/

Anleitung:

  1. Pro Zielgruppe sammeln die Teilnehmer „Schmerzen (Pain)“ & „Zugewinne (Gain)“.
  2. Schmerzen bedeuten Hürden, Ängste und Verantwortlichkeiten (usw.) der Persona. Zugewinne der Persona können Hoffnungen, Erfolgsmaßstäbe und Vorteile sein.
  3. Nach 10 Minuten Bearbeitungszeit werden die Punkte z.B. auf ein Flipchart geklebt und besprochen.
  4. Neue Denkansätze sind geschaffen und können weiterausgearbeitet werden.

 


3) METHODE „NUF-Test“

Ziel: Brainstorming abschließen & Bewertung der Ideen
Teilnehmerzahl: 2–10 Personen
Dauer: 15–30 Minuten

Quelle: http://gamestorming.com/games-for-any-meeting/nuf-test/

Anleitung:

  1. NUF steht für: New, Useful, Feasible (machbar)
  2. Die Ideen werden in die NUF-Matrix eingetragen.
  3. Anschließend werden sie im Hinblick auf Neuartigkeit, Nutzwert und Machbarkeit bewertet.
  4. Es werden pro Idee 0-10 Punkte für die Posten vergeben.
  5. Dies sollte nur mit den wichtigsten Ideen gemacht werden, da zeitintensiv.
  6. Ergebnis: Die Ideen werden einschätzbar, was die Umsetzung angeht. Man filtert die „goldenen Ideen“ heraus.

 


Tipps & Hilfestellungen

 

Tipps für Moderatoren

TIPPS FÜR MODERATOREN

Welche Fragen an die Teilnehmer helfen, den Workshop zielführend zu lenken? Hier ein paar gute Ansätze:

  • Den Workshop eröffnen (Eröffnungsfragen)
    Holen alle Teilnehmer ins Boot und öffnen den Ideenraum. z.b. Was denkt ihr ist die größte Herausforderung bei diesem Projekt?
  • Den Workshop lenken (Navigationsfragen)
    Geben Richtung vor, fassen Punkte zusammen, vermeiden Missverständnisse. z.b. Macht unser gesetztes Ziel noch Sinn oder müssen wir es anpassen? Habe ich dich richtig verstanden?
  • Den Workshop & erste Ideen vertiefen (Untersuchungfragen)
    Rücken Details einer Idee in den Fokus. z.b. Woraus besteht das Produkt, die Anwendung oder der Service? Wie funktioniert er? Gibt es ein konkretes Beispiel?
  • Den Workshop & erste Ideen vertiefen (Experimentierfragen)
    Bringen die Diskussion auf abstraktere Ebene. z.b. Wenn es ein Tier wäre, welches wäre es und warum?
  • Den Workshop beenden (Abschlussfragen)
    steuern das Gespräch in Richtung Entscheidung und Aufgabenverteilung. Was lässt sich in den nächsten 2 Wochen umsetzen? Wer übernimmt welchen Part?

Denkblockaden lösen

DENKBLOCKADEN LÖSEN

Es ist nicht immer einfach auf Anhieb gute Ideen zu generieren. Falls das Team nicht weiterkommt und man zu sehr abdriftet, können folgende Quer-Methoden helfen:

  • Unkonventionelle Hypothesen anbringen
    Unkonventionelle Fragen erhöhen die Auseinandersetzung mit dem Projekt. Fragestellung-Beispiel: Was wäre, wenn wir für dieses Projekt nur einen Tag Zeit hätten? Was, wenn wir ein ganzes Jahr Zeit hätten? Was bringt das Projekt zum Scheitern?
  • Perspektivwechsel
    Das „Nachfühlen“ der Prozesse macht es den Teilnehmern einfacher, diese zu verstehen und sich mit dem Thema zu identifizieren. z.B. WIR sind der Checkout-Prozess: Ein Teilnehmer verkörpert das gekaufte Produkt, einer die Zahlungsmethode, einer den Warenkorb etc. Wie fühlt sich das an?
  • Rollentausch
    Die Identifikation mit dem Projekt und der Aufgabenstellung wird durch das Schlüpfen in die Rolle der Zielgruppe verstärkt. Beispiel: Wir machen eine Seite für eine Uniklinik. Alle Teilnehmer ziehen einen Arztkittel an und schauen als Chefarzt auf die Seite/Anwendung.
  • Erste Hilfe bei Müdigkeit
    Regelmäßige Pausen (nicht zu oft) von 5 Minuten fördern den kreativen Spirit. Ein Raumwechsel kann Ideenblockaden lösen. Hier kann man vorab auch mit dem Team eine Regel festlegen, wann Pausen sinnvoll sind.

Anti-Frust-Regeln

ANTI-FRUST REGELN

Damit auch ungeübte Teilnehmer nicht den Spaß verlieren sollte das Team eingangs Regeln festhalten, um möglichst unbeschwert brainstormen zu können. Hier einige klassische Punkte, die helfen können:

    • DEFER JUDGEMENT
      Lasst alles zu. Vermeidet negative Schwingungen und defensive Haltungen. Nur so hält der Flow an. Und nur mit ihm kann man aus der Quantität der Gruppe Qualität schürfen.
    • BUILD ON THE IDEAS OF OTHERS
      Das Prinzip ist einfach: Wenn der eine A sagt, sagt der andere B usw. Wer aufbaut ist in der Lage, Ideen zu verbessern und zu vergrößern. Das ist Brain-WLAN at its best. Ideenaufbau statt Ideenklau.
    • ENCOURGAE WILD IDEAS
      Sich frei zu bewegen ist durchaus erwünscht. Nur wer über Grenzen hinausdenkt, wird sie auch überwinden. Also nur Mut!!!
    • BE VISUAL
      Bilder sagen mehr als Worte: ein klares Piktogramm oder ein sprachliches Bild, welches Assoziationen freisetzt ist wertvoll. Der Erinnerungswert ist immer größer als ein geschriebener Satz. Und es lässt sich unter 100 Post-Its auch schneller finden. Dafür muss auch keiner zeichnen oder malen können. Es geht dabei nicht im Ästhetik, sondern um Vielfalt.
    • GO FOR QUANTITY
      Es gibt keine Zensur. Erstmal zählt die Masse. Am Ende wird analysiert. (NUF-TEST)
    • FAIL EARLY AND OFTEN
      „Ich bin nie gescheitert, ich hatte nur 10000 Ideen, die nicht funktioniert haben.“ Sagte einst Benjamin Franklin. Es wird nicht jede Idee passen und gut sein, aber egal. Man erarbeitet eine „goldene“ und davor darf man ausprobieren.

Viel Spass beim Ausprobieren!


Weitere wunderbare Methoden und Techniken findet man auch hier:
http://gamestorming.com/
http://www.designgames.com.au/

Quellenangaben:
http://gamestorming.com/
PAGE eDossier, Kreativer Prozess statt Geistesblitz
http://page-online.de/thema/downloads/