Alles Retro oder was? Retrospektiven als Motor gelebter Feedbackkultur

28. Juni 2016 at 16:46

Feedbackkultur

Zufriedenheit am Arbeitsplatz wünscht sich nahezu jeder Mitarbeiter. Ein wesentlicher Faktor: Eine gelebte und produktive Feedbackkultur.
Neben klassischen Faktoren wie Gehaltsperspektiven oder Entwicklungschancen findet sich diese unter verschiedenen Synonymen wie Arbeitsatmosphäre oder Verhalten des Vorgesetzten in nahezu jeder Statistik unter den Top-Faktoren wieder, die den Ausschlag geben für Zufriedenheit oder eben Unzufriedenheit am Arbeitsplatz.

Viele Unternehmen haben sich eine positive Feedbackkultur längst auf die Fahne geschrieben, um Mitarbeiter zu entwickeln und an das Unternehmen zu binden. Manche davon sind bestimmt durch systematisch umgesetzte Prozesse, die sich der State of the Art-Feedbackinstrumente bedienen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche, 360°-Feedback oder etwa Upward-Feedback, also die systematische Beurteilung der Führungsqualitäten eines Vorgesetzten durch seine Mitarbeiter, zählen hierzu. Andere Unternehmenskulturen mögen eher von gewachsenen, informellen Feedbackflüssen geprägt sein. Wobei jede einzelne Führungskraft auch seine eigene Meinung zu und Erfahrung mit Feedbackprozessen einbringt.

Oftmals steht der Ertrag, der durchaus gut gemeinten Ansätze und Tools, hierbei allerdings in keinem guten Verhältnis zu den teilweise immensen Aufwänden, die betrieben werden.

Auch wirklich sinnvolle, regelmäßige Mitarbeiter-, Entwicklungs- und Zielvereinbarungsgespräche, deren Herzstück Feedback geben und nehmen ist, fristen in vielen Unternehmen ein eher kümmerliches Dasein.

Frischen Aufwind erhält das Thema insbesondere in der IT-Branche seit einigen Jahren mit dem Einzug agiler Projektmethoden in den Entwicklungsalltag.

Feedback geben und nehmen ist der zentrale Ausgangspunkt für das Gelingen agiler Projekte.

Verbesserung durch Feedback

Agile Teams leben demnach von einer konstanten Verbesserung, die sich in Methoden wie Kanban oder Scrum besonders äußert. Jedes Mitglied wächst innerhalb des Teams und benötigt dazu Unterstützung. Dabei analysieren und optimieren die Teammitglieder neben dem Prozess auch sich selbst. Ein wichtiges Werkzeug dabei ist Feedback. Dieses kommt möglichst aus dem direkten Umfeld, also von den anderen Teammitgliedern. Wird nach Scrum entwickelt, bietet sich eine Integration des Feedbacks in die Aktivität “Sprint-Retrospektive“ an.

Was sind überhaupt Retrospektiven?

Retrospektiven sind Teamtreffen, bei denen es darum geht, aus der Vergangenheit zu lernen. Dazu schauen die Teammitglieder gemeinsam zurück und bewerten, was gut und was schlecht gelaufen ist. Außerdem analysieren sie, warum Dinge gut oder schlecht waren, um so zu Maßnahmen zur Verbesserung zu kommen.

Wozu führt man Retrospektiven durch?

Retrospektiven dienen der Verbesserung, dem „Schärfen der Säge“ eines Teams. Mittels Retrospektiven können Teams an ihrer Zusammenarbeit als Personen und bzgl. der Auswahl der Werkzeuge und Prozesse Verbesserungen herbeiführen. Diese Verbesserungen können in vielen Bereichen liegen: Höhere Produktivität, weniger Fehler, bessere Einhaltung von Regeln, etc.

Bei agilen Projekten werden Retrospektiven in der Regel nach jeder Iteration (bzw. Sprint) durchgeführt. So erhält man ein optimales Mittel zur kontinuierlichen Verbesserung des Entwicklungsprozesses.

Nachhaltige Effekte auf die Feedbackkultur

Da Retrospektiven als feste Bestandteile bzw. als so genannte Artefakte des SCRUM-Frameworks an definierte Wiederholungszyklen und Vorgaben zur Durchführung gekoppelt sind, trifft diese Feedbackmethode erfahrungsgemäß auf eine hohe Akzeptanz innerhalb des Teams und erzielt einen besonders hohen Wirkungs- und Durchsetzungsgrad. Der Nutzen in Form von Produktivitätsverbesserungen durch die Retrospektive, übersteigt die internen Kosten in der Regel innerhalb weniger Wochen. Anders als Feedback-Methoden, die von einzelnen Verantwortungsträgern im Unternehmen „eingeführt“ werden, etabliert sich die Methode zudem direkt aus der Teamkonstellation heraus. Die positiven Effekte erstrecken sich hierbei mittelfristig weit über die unmittelbaren Projektergebnisse hinaus.

Konflikte werden aufgelöst oder zumindest einer Lösung näher gebracht. Missverständnisse werden ausgeräumt und die Grundlage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit wird hergestellt. Gerade Berufseinsteiger erfahren ein hohes Maß an Transparenz in Bezug auf die an Sie gestellten Erwartungshaltungen und erhalten im Gegenzug offenes Feedback und Wertschätzung für die erarbeiteten Lösungsansätze. Hierbei erfolgt ein kontinuierlicher Wissenstransfer im Bereich der sozialen Kompetenzen und Methoden über fachliche und disziplinarische Grenzen hinweg.

So können Retrospektiven als Motor gelebter Feedbackkultur einen wichtigen Beitrag zum langfristigen wirtschaftlichen Erfolg leisten und gleichzeitig die individuelle Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen.

 

Quellen: