Snapchat startet durch – Was Unternehmen jetzt wissen müssen

29. Januar 2016 at 12:19
Lässt sich Snapchat erfolgreich ins Unternehmens-Marketing integrieren?

Lässt sich Snapchat erfolgreich ins Unternehmens-Marketing integrieren?

Was haben die CSU, der FC Bayern München, SIXT und die BILD-Zeitung gemeinsam? Sie sind hierzulande unter den wenigen Unternehmen und Marken, die Snapchat für sich entdeckt haben. Während der quietschgelbe Messaging-Dienst bisweilen vorwiegend auf den Smartphones von Jugendlichen zu sehen war, rückt dieser stark wachsende Marketing-Kanal hierzulande mehr und mehr in den Fokus der Marketing-Verantwortlichen. Doch lohnt es sich, diesen Social-Media-Kanal zu bespielen?

 

Was ist Snapchat?

Der 2011 gestartete kostenlose Instant-Messaging-Dienst ermöglicht es Nutzern, Bilder, Videos oder Nachrichten zu versenden, die nach max. 10 Sekunden automatisch gelöscht werden. Diese sog. „Snaps“ (von „Snapshot“ engl. = Schnappschuss) können wahlweise nur den Freunden oder der Öffentlichkeit auf Snapchat gesendet werden. Die Snaps können mit Text, Emojis, Zeichnungen und Filtern versehen werden.

Mehrere Snaps lassen sich zu einer „Story“ zusammenfassen, d.h. eine chronologische Abfolge von Bildern oder Videos. Die Stories können innerhalb ihrer 24-stündigen Lebenszeit immer wieder angesehen werden. Eine gute Übersicht der App-Funktionen hat der Blogger Philipp Steuer in einem Guide zusammengefasst.

Aktuell belegt Snapchat Platz 3 der Messaging-Apps mit dem größten Nutzerzuwachs. Mittlerweile nutzen rund 200 Millionen Nutzer die Plattform und laden im Schnitt 700 Millionen Bilder hoch – jeden Tag. Vorwiegend junge Nutzer nutzen bis dato die App: 52% der weltweiten Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahren alt, gefolgt von 34% im Alter zwischen 25 und 32.

 

diagramm

Nutzerzahlen und Alter der Snapchat-Nutzer

 

Wie können Unternehmen Snapchat einsetzen?

Während Facebook, Twitter, Instagram und YouTube zum festen Bestandteil des Marketing-Mixes von Unternehmen geworden sind, wagen hierzulande erst eine Handvoll Unternehmen erste Gehversuche auf Snapchat. Unsicherheiten bezüglich der Kosten-Nutzen-Rechnung und der Reichweite bewegen Marketing-Verantwortliche in eine abwartende Haltung.

Doch wer den vermeintlichen Mehraufwand nicht scheut, wird belohnt: im Gegensatz zur kurzen Lebensdauer von Facebook Posts, die in der Chronik schnell überscrollt werden, stehen Snaps 24 Stunden zur Verfügung und liegen im „Posteingang“ des Followers. Werden sie dann aufgerufen, genießt die Botschaft die ungeteilte Aufmerksamkeit und das komplette Display des Users. Eine Folge mehrerer Bilder, die sog. Geschichten, haben das Tor für Storytelling geöffnet. Der Kreativität sind somit keine Grenzen gesetzt.

Nicht unerwähnt sollte jedoch bleiben, dass klassische Viralität mit Snapchat nicht möglich ist, da es keine Teilen-Funktion hat. Eine größere Reichweite kann aufgebaut werden, indem auf anderen Kanälen auf die Snapchat-Aktivitäten hingewiesen wird, z.B. mittels sogenannter Snapcodes. Hat ein Nutzer die Marke oder das Unternehmen als Snapchat-Kontakt hinzugefügt, erscheinen fortan alle neuen Beiträge im Bereich „Neueste Updates“.

 

Nachfolgend einige Möglichkeiten der Nutzung für Unternehmen:

  • Tutorials
    Schritt-für-Schritt-Erklärung mit Hilfe der „Geschichten“
  • Blick hinter die Kulissen & Previews
    Exklusive Einblicke und Informationen, z.B. Trainings von Fußballvereinen, Herstellungsprozesse oder Vorschau von neuen Produkten
  • User-Generated-Content
    Nutzer werden aufgefordert, Snaps zu einem Thema zu erstellen und einzusenden, welche weiterverwendet werden
  • Gutscheine, Coupons & Rabattaktionen
  • Gewinnspiele
  • 1-zu-1-Kommunikation mit Usern/Followern
    Snapchat kann als direkter Kommunikations- und Feedbackkanal genutzt werden
  • Call-to-Action
    z.B. Aufforderung, Snaps einzusenden oder Links zu anderen Kanälen zu folgen
  • Geofilter
    Dieses Feature wurde bisher erst für ausgewählte Orte und US-Marken eingerichtet. So können z.B. amerikanische McDonalds-Kunden in ausgewählten Filialen ihre Snaps mit digitalen Stickern wie Burger und Pommes verzieren.

Anders als in Deutschland nutzen die Marketeers in den USA Snapchat in großem Umfang. Aufsehen haben Kampagnen von Taco Bell und Audi erregt.

 

Beispiele aus Deutschland

Waren bisher vor allen Dingen deutsche Social-Media-Starts wie Dagi Bee (Snapchat-Name „dagibeee“) und Künstler wie Lena Meyer-Landruth („helloleni“) aktiv und erfolgreich, so sind mittlerweile eine überschaubare Anzahl von Brands und Unternehmen auf Snapchat aktiv. Hier eine Auswahl:

  • FC Köln „fckoeln“
  • BILD-Zeitung „hellobild“
  • Borussia Mönchengladbach „vflborussia1900“
  • CSU „csu_de“
  • FC Bayern München „FCBayernSnaps“
  • SIXT „sixtde“

 

Die Bildzeitung zeigt schön, wie eine Snapchat-Story genutzt werden kann, um auf Berichterstattungen aufmerksam zu machen

 

Fußballspieler Jerome Boateng meldet sich mit einer Nachricht an die Follower des FC Bayern und Borussia Mönchengladbach zeigt Snaps vom aktuellen Training

 

Fazit

In Deutschland ist die Reichweite im Vergleich zu anderen großen Playern wie Facebook und Co. noch gering und die Nutzergruppe vorwiegend jung, jedoch ist davon auszugehen, dass Snapchat sich hierzulande ähnlich entwickelt wie in Großbritannien und USA.
Snapchat kommt aktuell für die Marken und Unternehmen in Frage, die sich im Social Web bereits gut aufgestellt haben. Für diese lohnt es sich zeitnah erste Schritte zu wagen, Erfahrungen zu sammeln und abzuwägen, Snapchat als festen Bestandteil der Social-Media- und Content-Strategie aufzunehmen. Das Feld ist bisher wenig bespielt und als Early-Adopter ist man der Konkurrenz voraus. Eine junge und internationale Zielgruppe verspricht ein großes Potenzial.

 


 

Quellen:

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/319034/umfrage/social-und-mobile-apps-nutzerzuwachs/

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/312279/umfrage/taeglich-auf-snapchat-hochgeladene-und-geteilte-fotos/

http://www.statista.com/statistics/326452/snapchat-global-age-group/

http://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Social-Media-Warum-Sixt-auf-Snapchat-setzt-136002

https://www.snapchat.com/ads/