VR-Brillen – Virtuelle Realität auf dem heimischen Sofa?

11. Februar 2016 at 08:00
VR-Brillen – Paradigmenwechsel oder Trend?

Paradigmenwechsel oder kurzfristiger Trend?

 

Seit Beginn der digitalen Entwicklung sind wir fasziniert von der Virtuellen Realtität (VR). Nach der erfolgreichen Wiederbelebung des 3D-Films im Kino mit dem Jahr 2008 ist nun der Trend zu Virtual-Reality-Brillen für Privatanwender entfacht. Ob der Traum der virtuellen Welt auf dem eigenen Sofa erfüllt werden kann, wird aber erst die Entwicklung in den nächsten Jahren zeigen. Dabei spielen eine ausreichende Menge an Inhalten, sowie die Anschaffungskosten eine entscheidende Rolle.

Genutzt werden die sogenannten Head-Mounted-Displays bereits seit vielen Jahren in der Industrie zur technischen Visualisierungen und Simulationen. Die Brillen können beispielsweise das Üben von komplexen Durchführungen, wie ein Fallschirmsprung oder medizinischen Eingriffen, unterstützen und senken somit die Kosten und das Fehlerrisiko erheblich.

Für den räumlichen Eindruck werden dem Nutzer zwei Bilder aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln projiziert (Stereoprojektion). Zudem lassen spezielle Eingabegeräte wie omnidirektionale Laufbänder oder Datenhandschuhe eine Interaktion mit der virtuellen Welt zu. Durch Lautsprecher an der Brille und Eingabegeräte mit Kraftrückkopplung (Force Feedback) werden weitere Sinne angesprochen.

Welches Modell für welchen Zweck?

Einen günstigeren Einstieg in die virtuelle Welt wird beispielsweise durch die Samsung Gear VR ermöglicht. Voraussetzung für die 100-Euro-Brille ist der Vorhandensein bestimmter Samsung-Smartphones, welche als Display in die Brille gesteckt werden. Dadurch lassen sich zwar viele mobile Apps kostenfrei spielen, die im Vergleich eher schlechtere Bildqualität und das Gewicht der Brille schmälern aber den Langzeitspaß. Das gleiche Prinzip aber deutlich preiswerter verfolgt Google Cardboard. Sie ist eine Halterung aus Karton, in der jedes Smartphone gesteckt werden kann. Aus diesem Grund wurde die Cardboard bislang schon mehr als fünf Millionen mal ausgeliefert.

 

Samsung Gear VR und Google Cardboard

Die Einsteigermodelle Samsung Gear VR und Google Cardboard

 

Derzeit versuchen viele namhaften Unternehmen aus dem Digitalbereich den Einstieg in die virtuelle Realität für Privatanweder. Mit eigener Hardware ohne zusätzliches Smartphone soll der Langzeitspaß und Tragekomfort der Brillen gewährleistet sein. Begonnen wurde dies mit der milliardenschwere Übernahme des Start-Up-Unternehmens Oculus durch Facebook im Jahr 2014. Zuvor wurde Oculus Rift als sogenanntes Kickstarter veröffentlicht, bei dem Personen vorab Geld in das Produkt investieren, um eine Entwicklung und Produktion zu gewährleisten. In diesem Jahr soll die Brille als finale Verkaufsversion die Wohnzimmer erobern, welche deutliche Verbesserungen zur Entwickler-Version hat. Die 699-Euro-Brille kann dabei nur an einem Computer genutzt werden, der entsprechend hohe Hardware-Anforderungen erfüllt.

Derzeit plant auch Sony eine eigene VR-Brille für die Playstation 4, die noch dieses Jahr veröffentlicht werden soll. Die von Microsoft im Januar 2015 vorgestellte HoloLens hebt sich durch die Integration von Augmented-Reality-Technik deutlich von den übrigen VR-Brillen ab, da durch diese Technik auch die Einbindung der eigenen Räume und deren Objekte eine ganz neue Interaktion ermöglicht werden kann.

Eine Technologie mit Potential

Ob sich die Investitionen der Digital-Firmen strategisch auszahlen, wird die Zukunft zeigen. Wie bei vergleichbaren Technologien spielt die Menge und Qualität der Inhalte für den Erfolg eine große Rolle. Nur über speziell für VR-Brillen produzierte Filme und Spiele wird die neue Technologie auch vom privaten Endanwender angenommen und hat somit das Potential, ein neues digitales Zeitalter einzuläuten.